Wolfgang und sein 70er-Museum

Man wundert sich doch manchmal, was sich so für Kurioses hinter den Türen eines unscheinbaren Hobbyraums verbirgt. Besonders wundert man sich, wenn dieser Hobbyraum einem 70er-Fan und gleichzeitig Mopedverrückten gehört.

Unser Mitglied Wolfgang, Baujahr 1961, hat seine Jugendzeit in besagten 70ern verbracht und sammelt leidenschaftlich alles, was eindeutig aus dieser Zeit stammt. Ein extra dafür angemieteter Raum vor den Toren Oldenburgs ist bereits an der Grenze seiner Kapazität. Auf diesen Bildern gibt dir Wolfgang einen Einblick in seine Schatzkammer.

Jedes Stück hat seine eigene Geschichte, aber die Geschichte der Mopeds und vieler Technikteile in Wolfgangs Museum ist von ganz besonderer Faszination:

Die Geschichte beginnt in einem kleinen Ort bei Quakenbrück, in dem ein Zweiradhändler sein Geschäft betrieb und bei dem Wolfgang sein erstes Mofa kaufte. Das war in den Siebzigern. Der weitere Gang der Dinge war typisch: Nachdem man endlich volljährig war und ein Auto gekauft wurde, geriet der Spaß, den man mit dem Mofa hatte, sowie der Händler ebenfalls, in Vergessenheit. Viele Jahre später kam es, dass Wolfgang wieder einmal durch den Ort bei Quakenbrück fuhr und plötzlich auch wieder an das Zweiradgeschäft erinnert wurde. Die Neugier trieb ihn wieder an den Ort, an dem er vor über 20 Jahren sein Mofa gekauft hatte. Und er traute seinen Augen kaum: Im Schaufenster standen sie immer noch, die Mofas, Mopeds und Mokicks aus den 70er Jahren. Er betrat den Laden; der Besitzer lebte noch, war aber inzwischen 88 Jahre alt. Immer noch im blauen Kittel, lud er Wolfgang ein, sich im Laden umzusehen. Er war gespickt mit Schätzen einer längst vergangenen Zeit. Und so kam es, dass sich fast eine Art Freundschaft entwickelte und Wolfgang regelmäßiger Gast bei dem alten Herren wurde. Interessante Gespräche über Technik zogen sich teilweise über Stunden hin. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, Informationen über die geliebten Mopeds und Mokicks aus „erster Hand“ zu bekommen?!

Im November 1996 passierte es nun, dass Wolfgang einen Anruf erhielt. Es waren die Kinder des alten Herren, die leider eine traurige Nachrricht für Wolfgang hatten: Der Besitzer des Ladens war verstorben. Man bat Wolfgang, bei der Auflösung des Geschäftes behilflich zu sein, da sich die Freundschaft zwischen dem Vater und dem technikbegeisterten Besucher mitlerweile zu den Kindern rumgesprochen hatte. Wolfgang erklärte sich natürlich bereit, bei der Auflösung mit Rat und Tat zur Seite zustehen, bis ihm klar wurde, was die Kinder mit „Auflösung“ meinten: Es war ihr Wunsch, dass Wolfgang alle Dinge aus dem Laden, von der Glühbirne bis zu den im Laden ausgestellten Mopeds, erben sollte. Und so groß die Trauer über den Tod des Ladeninhabers auch war, war es doch etwas Besonderes, einen so seltenen Schatz geschenkt zu bekommen. Das „Highlight“ des Erbes siehst du auf den Bildern: Eine orange Zündapp GTS 50, die im Laden mit Null Kilometern auf dem Tacho stand. Wolfgang hat sie inzwischen einmal nach Nienburg und zurück bewegt, so kommt sie zu den jetzigen 350 km. Das Moped ist aber sozusagen ladenneu. Es ist klar, dass so ein Juwel niemals den Besitzer wechseln wird. Und hinzu kommt: Wolfgang hat den Kindern des Ladeninhabers versprochen, dass das Moped, solange Wolfgang lebt, bei ihm bleiben wird. Ehrensache!

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